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Roger Ganz

Monthly Pulse #12 19

6. Dezember 2019

AUSBLICK

Ist es diesmal anders? Vor einem Jahr begannen die Aktienmärkte zu fallen und verloren im vergangenen Dezember rund 9 Prozent. Bröckelnde Unternehmensgewinne und Geopolitik könnten die Märkte stärker als sonst beeinflussen; wir erwarten aber keine Wiederholung wie im letzten Jahr. 

Die Weltwirtschaft trat in diesem Jahr in eine synchrone Phase des schwächeren Wachstums ein – wobei die USA am Besten abschneiden. Diese Schwäche wird sich im nächsten Jahr fortsetzen, weshalb Analysten ihre Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft im Jahr 2020 gesenkt haben. Eine Stabilisierung der Weltwirtschaft erscheint jedoch viel wahrscheinlicher als eine Rezession. Die Verbraucher unterstützen die Wirtschaft nach wie vor und erwarten ein stabiles Einkommen und eine niedrige Arbeitslosigkeit. Die Zentralbanken sind gegenüber 2018 wieder expansiver geworden und die globalen Finanzierungsbedingungen haben sich deutlich verbessert. 

Nach drei Zinssenkungen in Folge sieht sich die FED gut positioniert und es wird keine Änderung der Geldpolitik ohne eine wesentliche Anpassung der Wirtschaftsaussichten erwartet. Der Leitzins wird daher für die kommenden Quartale auf dem aktuellen Niveau bleiben. Die Lockerung der Geldpolitik als Medizin gegen eine Rezession wird jedoch zunehmend in Frage gestellt und fiskalpolitische Impulse sowie staatliche Investitionen setzen sich durch. 

In der Eurozone deuten die Prognosen der EZB darauf hin, dass eine äusserst expansive Geldpolitik bestehen bleiben wird bis die zugrunde liegende Inflation deutlich und nachhaltig steigt. Die Aufträge in der angeschlagenen Industrie sind zuletzt wieder leicht gestiegen, was Anlass zur Hoffnung auf eine baldige Trendwende gibt. Nur für Deutschland bleiben die Aussichten eher düster. 

An den Anleihemärkten haben sich die Risikoaufschläge für IG weiter leicht verengt und wir erwarten, dass die Kapitalflüsse in den USA genügend Unterstützung bieten, um die derzeitigen Niveaus halten zu können. Im globalen Markt für hochverzinsliche Anleihen erwarten wir leicht positive Renditen, während die Risikoaufschläge in den USA auf ein Niveau gesunken sind, welche aus unserer Sicht keine ausreichende Kompensation für das Risiko bietet. Ähnlich verhält es sich mit Staatsanleihen. Solange die negativen Renditen von Staatsanleihen steigen, bleiben wir neutral. Wir bevorzugen jedoch Unternehmensanleihen mit niedriger IG Bonität aus etablierten Volkswirtschaften sowie Schwellenländern als auch qualitative Anleihen in den USA. 

Im späten Konjunkturzyklus bleiben die Bewertungen für viele Aktienindizes über dem langfristigen Durchschnitt. Aktien aber sehen im Vergleich zu anderen Anlageklassen immer noch attraktiv aus. Festgefahrene Handelsgespräche könnten jedoch Unternehmen zu geringeren Investitionstätigkeiten verleiten. Im Spätzyklus entwickeln sich Aktien oft besser, vor allem zyklische Werte. Daher bleiben wir bei einer neutralen Position. 

Der USD dürfte sich zumindest kurzfristig gegenüber dem EUR besser entwickeln, da die Unsicherheiten im Handelsgespräch anhalten. Auch Gold reagiert auf die Handelsgespräche und wir finden Kaufgelegenheiten bei USD 1450 weiterhin attraktiv. Auf dem OPEC-Jahrestreffen diese Woche in Wien dürften längere, aber nicht stärkere Produktionskürzungen die Ölpreise um das aktuelle Niveau stützen.

TAKTISCHE ANLAGEENTSCHEIDUNGEN ALLOKATION*

LiquiditätNeutral
ObligationenNeutral
AktienNeutral
Alternative AnlagenNeutral

AKTIENINDIKATOREN* 

BewertungUntergewichtet
MomentumAttraktiv
SaisonalitätAttraktiv
VolkswirtschaftNeutral

 *im Vergleich zum Vormonat: keine Änderungen 
Gerne steht Ihnen für Beratung oder weitergehende Informationen Ihr persönlicher Kundenberater bei Clarus Capital zur Verfügung. 

BLACK FRIDAY: KONSUM ÜBER ALLES 

Die Geschichte des Black Friday ist eng mit dem Einzelhandel und dem privaten Konsum in den Vereinigten Staaten verbunden. Der Anteil des Konsums am Gesamtvolumen der Wirtschaftsproduktion ist im Vergleich zu 1990 und 2000 deutlich gestiegen, was dazu geführt hat, dass der Einkauf zu einem 24 Stunden Betrieb wurde. 

Die Gesamtzahl der Konsumenten an den fünf Tagen von Thanksgiving bis Cyber Monday lag 2018 bei 165 Mio., 9 Mio. weniger als 2017, gemäss der National Retail Federation (NRF). Der Durchschnittskäufer gab USD 313 aus – ein Rückgang gegenüber dem Vorjahreswert von USD 335. Adobe Analytics schätzt, dass 2018 die fünf Festtage fast 20 Prozent aller Online-Einnahmen ausmachen wird. In 2015 überstieg die Zahl der Online-Käufer das erste Mal die Zahl der Käufer im Geschäft. Viele Kaufhäuser waren folglich gezwungen ihre Türen an Thanksgiving geöffnet zu haben. Weitere Urlaubseinkäufe haben die Situation verschärft. So brachte beispielsweise der Amazon Prime Day, erstmals am 16. Juli 2015, über USD 4 Mrd. ein. 

Thanksgiving`s 5-Tages Shopping Wochenende

Die Frage stellt sich, ob der Black Friday nur eine Art Marketing oder ein realwirtschaftlicher Indikator sei? Mittlerweile ist dieser Feiertag so fest in den Herzen der Menschen verankert, dass es die Wirtschaft, den Einzelhandel und die Verbraucherausgaben sowie die Aktienmärkte beeinflusst. In vielen Ländern bietet sich dieser Tag an, um Geld zu sparen. Historisch betrachtet, sind die Einzelhandelsumsätze am Black Friday höher als an jedem anderen Tag. 

Die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft sind jedoch gemischt. Viele glauben, dass ein positiver Effekt stattfindet und argumentieren zugunsten der keynesianischen Theorie. Andererseits wird behauptet, dass die Auswirkungen dieser Feiertage nur kurzfristiger Natur sind. Viele Einzelhändler beobachteten niedrigere Gewinne und einen möglichen Personalabbau. Zu den wirtschaftlichen Auswirkungen gehören ein Rückgang der Steuereinnahmen und eine Erhöhung der Wohlfahrtslast. Dies sind alles Faktoren, die zu einem negativen wirtschaftlichen Nettoeffekt führen (Lobel und Writer, 2019). 

Obwohl Thanksgiving und Black Friday immer noch die belebtesten Einkaufstage sind, registrierte ReailNext Inc. einen Rückgang dieses Trends. Im Jahr 2018 sanken die Besuche in den Geschäften im Vergleich zu 2017 um 9 Prozent, und die Zahl der Konsumenten im Jahr 2017 war im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozent geringer. Dies wird dadurch begründet, dass immer mehr Konsumenten es vorziehen, online einzukaufen. Laut Adobe Systems waren die Online-Umsätze von Mittwoch bis Freitag nicht nur 26 Prozent höher als 2017 – auch im Jahr 2017 wuchsen sie um 18 Prozent. Gemäss Angaben des NRF sollte der Umsatz kontinuierlich weiter steigen. Das Institut bezweifelt, dass der Handelskrieg den Umsatz verringern wird, weil der Einzelhandel bereits das Lager aufgestockt hat. Berichte von Mastercard SpendingPulse zeigen, dass die Gesamtverkäufe ohne Autos, vom 1. November bis 24. Dezember 2018 um 5.1 Prozent zur Vorjahresperiode stiegen, wohingegen im gleichen Zeitraum die Onlineverkäufe ein Plus von 19 Prozent verzeichneten. Insgesamt gaben die Konsumenten rund USD 850 Mrd. aus. Im Durchschnitt gibt ein Verbraucher USD 1'007.24 aus, von denen USD 637.67 für Geschenke und USD 215.04 für Lebensmittel, Dekorationen, Blumen und Grusskarten anfallen (Amadeo, 2019). 

Viele argumentieren, dass die Wirkung nicht langfristig, sondern kurzfristiger Natur ist. Investoren dürfen jedoch nicht vergessen, dass Umsatzsteigerungen nicht immer zu einem höheren Gewinn des Unternehmens führen. Einige Unternehmenszahlen könnten sich aufgrund längerer Rabatte sogar schlechter entwickeln. Leider bleibt der Black Friday immer noch ein zu wenig recherchiertes Thema. Viele Fragen sind noch offen, da die Auswirkungen des Black Fridays zu wenig von anderen Ereignissen abgegrenzt werden können. 

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Roger Ganz, Head Asset Management, CIO, Partner

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